Wer lässt sich nicht verzaubern, wenn der lange Winter verdrängt wird und die Landschaften mit Farben und Düften überzogen werden? Die Frühlingsblüte in Westnorwegen ist eine fantastische Zeit, um die Uferlandschaften und Fjorde intensiv erleben zu können – egal, ob du in Hardanger, am Sognefjord, Nordfjord, Geirangerfjord oder an einem der imposanten Meeresarme im Nordwesten von Fjord Norwegen unterwegs bist. Mit diesen Tourenvorschlägen möchten wir dich zu den blühendsten Schätzen an den Fjorden zwischen Stavanger und Bergen locken.

  1. Stavanger
  2. Hjelmeland
  3. Jelsa
  4. Odda
  5. Aga
  6. Utne
  7. Øystese
  8. Norheimsund
  9. Bergen
1.

Stavanger

Dauer: 1 Tag

Vom Regenbogen inspiriert

Am ersten Tag unserer Tour erlebst du die unglaublichste Flora, die du in Norwegen unter freiem Himmel bestaunen kannst – garantiert.

Seit den 1960er Jahren haben westnorwegische Pflanzenfachleute unter der Leitung der Familie Bryn im Fjordbecken zwischen Stavanger und Tau in der Region Rogaland die reinste Tropeninsel geschaffen. Teils wegen des milden Klimas an der Westküste, teils dank der Bepflanzung im Windschatten hast du heute die Möglichkeit, tropische Gewächse zu sehen, die es in diesen Breitengraden normalerweise nicht gibt. Ein eigener Palmengarten mit Hollywood-Palmen, ein Bambusgarten, japanische Bananenbäume, spanische Korkeiche und Kakteen gehören zu den thematischen Sammlungen. In jedem Frühjahr werden zudem rund 50.000 Blumen gepflanzt. Dem Parkleiter Olav Bryn zufolge ist der Regenbogen die wichtige Inspirationsquelle für die Gärten.

Der Ausflug nach Flor & Fjære ist zweimal täglich mit dem Schiff vom Anleger in der Stadtmitte von Stavanger möglich. Zum Komplettangebot gehören die Hin- und Rückfahrt mit dem Schiff, die Führungen durch die tropischen Gärten und ein Gourmetmittagessen im Restaurant der Insel, in dem seit 1995 die Gaumen anspruchsvoller Gäste verwöhnt werden. Hier kannst du Kräuter und Gemüse aus dem Garten als Zubehör zu regionalen Fleischgerichten und Delikatessen aus dem Meer probieren.

2.

Hjelmeland Jelsa

170 km3 Std. 30 min
Dauer: 1 Tag

Abenteuerliches Hjelmeland

Wenn du nicht in der Gourmetstadt Stavanger geblieben bist, wird es Zeit, dass du in die Fjorde eintauchst – ganz buchstäblich durch den neuen Ryfast-Tunnel in Richtung Hjelmeland und Ryfylke.

Auf der einstündigen Autofahrt verändert sich die Landschaft enorm: von der flachen Küstenlandschaft am Meer bewegst du dich jetzt auf die hohen Berge und die tief ins Land drängenden Fjorde der Region Ryfylke zu.

In Ryfylke ist die Frühlingsblüte auf der kleinen Insel Helgøya im Årdalsfjord besonders intensiv. Seit Juni 2022 ist das Eiland durch eine Brücke mit dem Festland verbunden. Um dorthin zu kommen, fährst du nach Fister und Grønvik.

Wenn du die Höhen zwischen Årdal und Hjelmeland überquert hast, blickst du über eine wunderschöne Kulturlandschaft mit blühenden Apfel- und Pflaumenbäumen, saftig grünen Wiesen und Schafen, die hier an der Mündung des Jøsenfjordes weiden. Im Mittelpunkt dieses Bildes thront der 500 Meter hohe Berg Bandåsen auf der Insel Ombo, der von farbenfrohen Obstbäumen und einem dichten Laubwald überzogen ist.

Die stärkste Obstblüte in Hjelmeland erlebst du, wenn du auf die Straße Rv660 Richtung Vormedalen abbiegst und bis zum Hof Fevoll weiterfährst. Der dortige Bauer produziert seinen eigenen Cidre unter dem Namen Omcider, und wenn du Lust hast, kannst du eine Führung durch die Obstplantage machen und im Hofgeschäft ein paar Geschmacksproben bekommen. Nutze hier die Gelegenheit, um mit den typischen norwegischen Apfelsorten Gravenstein, Summerred, Ellis Bitter, Aroma oder auch Rubinstep Bekanntschaft zu machen. Die letztgenannte Sorte ist ursprünglich tschechisch und gibt einen herrlichen sprudelnden Cidre.

3.

Odda Aga Utne

178 km3 Std.
Dauer: 1 Tag

Die Qual der Straßenwahl

Überall im blühenden Fjord Norwegen ist der Frühling eine wahre Offenbarung, doch etwas ganz Besonderes ist die Obstblüte in Hardanger. Um von Jelsa nach Odda, dem südlichen Tor nach Hardanger zu kommen, musst du dich für eine von drei spektakulären Routen entscheiden. Die E13 über Suldalsosen und Røldal ist eine Norwegische Landschaftsroute und bietet Ausblicke über den prachtvollen, abgeschieden gelegenen See Suldalsvatnet und den Pass hinüber zum See Røldalsvatnet, bevor du zwischen Røldal und Odda ein weiteres Gebirgsplateau überquerst. Die zweite Alternative ist die Straße RV520, die neben dem Pass nach Røldal als Höhepunkt einen Rastplatz mit Aussichtspunkt bei Sauda bietet, einem in Norwegen einzigartigen Industrieort. Die dritte Alternative ist die sogenannte Innere Straße durch Ryfylke. Man fährt zunächst zum Vindafjord und von dort auf der Hauptstraße durch Ølen und Etne am Åkrafjord entlang. Die gesamte Fahrt führt durch eine bildschöne westnorwegische Landschaft, doch das wirkliche Naturerlebnis steht dir noch bevor.

Das Cidreparadies am Sørfjord

Der Industrieort Odda ist ebenso schön wie hässlich, was nicht zuletzt auf die stillgelegte Schmelzhütte und den aktiven Industriehafen im Fjord zurückzuführen ist. In jedem Fall sind die enormen Berge mit dem Gletscher Folgefonna im Westen und dem glitzernden, blauschwarzen Wasser des Sørfjordes selbst in Fjord Norwegen ein einzigartiger Anblick.

Je weiter du links am Sørfjord entlangfährst, desto mehr verstehst du, dass du jetzt in Hardanger bist. Umgeben von Äpfeln, Pflaumen, Kirschen und Birnen, die im Mai und Juni um die Wette blühen, taucht der Cidreproduzent Aga Sideri auf. Jetzt hast du die Gelegenheit, selbst zu probieren, was tausend Jahre Cidreproduktion in Hardanger hervorgebracht hat: exklusive, elegante und gehaltvolle Apfelcidre, zu denen selbst französische und italienische Weinbauern anerkennend nicken werden.

Magie in Utne

Wenn die dreistündige Führung mit Tasting auf dem Hof Appetit auf mehr gemacht hat, hast du Gelegenheit, ein paar Flaschen Lagmann Sider, Humplepung und Bøddel zu kaufen. Du kannst aber auch am gleichen Abend im Utne Hotel noch mehr Cidre von Aga oder anderen Höfen probieren. Dieses Hotel erscheint eher als ein Museum als ein Übernachtungsquartier. Es liegt direkt am Fähranleger in Utne – dem geografischen Herz in Hardanger – und bietet seinen Gästen prachtvolle Ausblicke in alle Richtungen. Das Hotel Utne empfängt bereits seit 1722 (!) Gäste und ist in vielerlei Hinsicht der Inbegriff von Gastfreundlichkeit am blühenden Fjord. Genieße den Abend im Restaurant mit lokalen Geschmackserlebnissen.

4.

Øystese Norheimsund Bergen

122 km2 Std. 40 min
Dauer: 1 Tag

Obstsäfte, Honig und Gepökeltes

Ein paar Meter von der Eingangstür des altehrwürdigen Utne Hotel entfernt legt die Autofähre nach Kvanndal ab. Diese Fjordfahrt bietet traumhafte Blicke auf die schneebedeckten Gipfel an den Ufern des Fjordes – ein Anblick für die Götter.

In Kvanndal angekommen fährst du eine gute halbe Stunde am Hardangerfjord entlang Richtung Westen nach Øystese. Hier gibt es einige Gründe, um anzuhalten. Im Laden für regionale Produkte in der Ortsmitte kannst du exklusive Produkte von Höfen und Lebensmittelerzeugern aus der Umgebung einkaufen: Obstsäfte, Cidre, Honig, und traditionelles Backwerk, geräuchertes und gepökeltes Fleisch. Ab Øystese fährst du nicht mit leeren Händen weg, meint der Kaufmann vor Ort und klingt überzeugt.

Die Spildemost-Serie

Solltest du aber wider Erwarten aus dem Hofgeschäft kommen, ohne die Taschen mit lokalen Geschmacksproben gefüllt zu haben, bekommst du in jedem Fall noch eine weitere Chance. Der Hof Spildegarden bietet eine ganze Serie mit Spildemost-Varianten an – alkoholfreier Apfelmost direkt vom Hof, der wissenschaftlich genau und mit einem bewussten Blick für die Wahl der Apfelsorten erzeugt wird. So ist beispielsweise der Spildemost Discovery aus der englischen Apfelsorte gleichen Namens. Dies ist ein Apfelmost, der sehr gut zu Steakgerichten und kräftigem Käse passt, nach Bananen und Ananas duftet und einen mittellangen und fruchtigen Abgang hat. Wenn du Äpfel der Sorte Gravenstein bevorzugst, kann Spilldegarde edle Tropfen ebenso anbieten wie spannende Geschichten über die legendäre Apfelsorte, die, so heißt es, 1792 aus Dänemark kam und fortan in Hardanger angebaut wurde.

Mit dem RIB nach Botnen

Von Øystese geht’s weiter nach Norheimsund, wo du den Geschmacksnerven eine Pause gönnen und stattdessen die Adrenalinpumpe anwerfen kannst. Mit dem Veranstalter RIB Seafari bekommst du Gelegenheit, die Obstblüte vom Wasser aus zu bestaunen – bei bis zu 60 Knoten Geschwindigkeit und mit der Gischt des Fjordes im Gesicht. In 90 intensiven Minuten fährt das Schlauchboot zunächst über den Fjord und dann in den zehn Kilometer langen Fyksesund hinein, der sich zwischen steilen Berghängen undrauschenden Wasserfällen bis zur Siedlung Botnen zieht: eine Naturperle mitazurblauem Wasser.

Wer noch Zeit und Lust hat, bleibt noch ein bisschen in Norheimsund. Der Wasserfall Steinsdalsfossen liegt direkt an der Straße Richtung Samnanger und Bergen. Dort kannst du hinter den Wasserfall und zur Aussichtsplattform spazieren und die Wassermassen aus nächster Nähe sehen und fühlen.

Die Strecke von Norheimsund bis zum Zielort Bergen ist mehr als nur eine Transportetappe. Du fährst an Kvamskogen und den Alpinhängen Eikedalen vorbei, kommst zum Gebirgsmassiv Gullfjellet und den prachtvollen Gebirgslandschaften, die diese Gegend zum bevorzugten Alpinsportort für die Bergenser machen. An Arna vorbei bist du dann wieder im Flachland und kannst dich an den schönen Farben erfreuen, die den Frühling in Fjord Norwegen zu einer einzigartigen Jahreszeit machen.