Der Beginn der Wikingerzeit wird gewöhnlich auf das Jahr 793 datiert, in dem der Überfall auf das Kloster Lindisfarne stattfand. Als Ende der Wikingerzeit wird traditionellerweise die Schlacht bei Stamford Bridge im Jahre 1066 gesehen.

Die Wikinger waren begabte Seefahrer, die von Skandinavien aus zahlreiche neue Gebiete besiedelten: Island, die Färöer-Inseln, die Shetlands, die Orkneys, Schottland, Irland und Grönland. Norwegische Wikinger landeten lange vor Christopher Kolumbus in Vinland, dem heutigen Nordamerika.

Vor der Jahrtausendwende wurde in Skandinavien das Eisen in der Landwirtschaft eingeführt. Gleichzeitig wurde das Ackerland knapp, und die Macht der Könige nahm zu. Die hohen Steuern führten dazu, dass viele ihr Glück in der Ferne suchten und auswanderten. Etliche Auswanderer bestritten ihren Lebensunterhalt mit Plünderungen und Raubzügen.

Ihre effektiven Waffen und Schiffe machten die Wikinger zu gefürchteten Kriegern, die im christlichen Europa Angst und Schrecken hervorriefen. Das Bild der blutrünstigen Plünderer, das viele Jahre lang von den Wikingern gezeichnet wurde, ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Die Wikinger unterhielten enge Handelsbeziehungen zu fernen Ländern und reisten bis nach Byzanz und Bagdad.

© Arkikon / Steinart

Innerhalb der Wikingergesellschaft war die Sippe die wichtigste soziale Institution. Die meisten Streitfälle wurden von den betroffenen Sippen selbst geregelt. Dies geschah oft auf blutige Weise. Da verwundert es nicht, dass in den Sagas oft von Blutrache und Familienfehden die Rede ist.

In der Heimskringla von Snorri Sturluson steht, dass Olav Tryggvason auf der Insel Moster in Bømlo an Land ging, als er im Jahre 995 nach Norwegen kam, um den Königsthron zu fordern und das Land zu christianisieren. Olav der Heilige hielt 1024 eine Kirchenversammlung in Moster ab, bei der er ein neues Kirchengesetz präsentierte, das die alten heidnischen Gesetze ablöste und die Grundlage für ein modernes Rechtssystem schuf.

Norwegens ältester Königssitz

Die Insel Avaldsnes vor Haugesund spielt eine wichtige Rolle in der norwegischen Geschichte. Im Jahre 870 verlegte Harald Schönhaar seinen Hof nach Avaldsnes und begründete damit den ersten Königsitz in Norwegen.

Das Geschichtszentrum Nordvegen informiert darüber, wie Avaldsnes zum ersten Königssitz Norwegens wurde. Im Geschichtszentrum Nordvegen erfährst du allerlei Interessantes über die norwegischen Könige, die von Avaldsnes aus das Land regierten. Einige Könige sind in alten Liedern und Sagen bezeugt, während andere nur durch die Arbeit der Archäologen bekannt sind. Der norwegische König Harald Schönhaar führt die Besucher durch die norwegische Geschichte von der Bronzezeit bis zum Mittelalter.

Sagastad – und das Myklebustschiff

Die großen norwegischen Schiffsgräber aus der Wikingerzeit sind weltweit einzigartig. Das Myklebustschiff aus dem westnorwegischen Nordfjordeid ist mit einer geschätzten Länge von 30 m das größte Wikingerschiff, von dem in Norwegen Spuren gefunden wurden. Sagastad wurde im Mai 2019 eröffnet: ein kombiniertes Wissens- und Erlebniszentrum direkt am Fjord in der Ortsmitte von Nordfjordeid. Ein zentraler Bestandteil der Ausstellung in Sagastad ist das Myklebustschiff – das größte Wikingerschiff, von dem man Reste in Norwegen gefunden hat. Das Schiff wurde im Maßstab 1:1 nachgebaut, es hat eine Länge von etwa 30 Metern und ist 6,5 Meter breit. Das Schiff ist seetüchtig, wird aber die meiste Zeit im Jahr als eine der Hauptsehenswürdigkeiten von Sagastad dort ausgestellt sein.

© Ruben Soltvedt

Das Myklebustschiff wurde im Jahre 1874 – und damit viele Jahre vor dem Gokstadschiff (1880) und dem Osebergschiff (1904) – aus einem Grabhügel mit dem Namen «Rundehåjen» auf dem Hof Myklebust in Nordfjordeid ausgegraben.

Ein wichtiger Unterschied zwischen dem Oseberg- und dem Gokstadschiff einerseits und dem Myklebustschiff andererseits ist, dass letztgenanntes beim Begräbnis verbrannt wurde. Dieser Brauch, das Schiff beim Begräbnis zu verbrennen, war im 8. und 9. Jahrhundert typisch für Westnorwegen. Das Myklebustschiff ist das letzte und größte Feuergrab, das uns aus der Wikingerzeit bekannt ist.

Die Abmessungen des Myklebustschiffes sind uns bekannt, weil wir die Ascheschicht im Grabhügel, die Zahl der Bootsnieten (Klinkernieten) und die Zahl der im Grabhügel gefundenen Schildbuckel analysiert haben. Der Durchmesser des eigentlichen Grabhügels beträgt 30 Meter, die Höhe vier Meter. Umgeben ist das Grab von einem breiten Wallgraben (der im 19. Jahrhundert aufgefüllt wurde). Im Herbst 2016 begannen erfahrene Bootsbauer aus dem Tal Bjørkedalen bei Volda mit dem Neubau des Myklebustschiffes in der Form, wie wir heute annehmen, dass es so aussah.

Es besteht Grund zu der Annahme, dass König Audbjørn von Fjordane im Myklebustschiff begraben liegt. Er wird in der Heimskringla von Snorre über Harald «Schönhaar» Hårfagre erwähnt und fiel im Jahre 876 in der Schlacht bei Solskjel in der Region Nordmøre. Diese Annahme stimmt gut mit der Datierung der Funde im Grabhügel zusammen.

Wenn das Myklebustschiff zu Wasser gelassen wird, werden wir erneut auf Norwegens imposantestem Wikingerschiff auf den Nordfjord hinaussegeln - und das zum ersten Mal seit König Audbjørn und seinen Männern vor 1150 Jahren.

Lese mehr über Sagastad, das Myklebustschiff und Öffnungszeiten und Eintrittspreise.

Zu Hause bei den Wikingern!

Njardarheimr – das Heim des Njord

Im Wikingerdorf Njardarheimr in Gudvangen am Nærøyfjord begegnest du "echten" Wikingern. Njardarheimr bedeutet "das dem altnordischen Handelsgott Njord zu Ehren erbaute Zuhause". Es besteht aus mehr als 1500 m2 mit Gebäuden, die aufgrund der bisherigen Erkenntnisse über die Vorfahren der Norweger und mit den Werkzeugen der Wikinger rekonstruiert wurden. Njardarheimr ist eine lebendige kulturgeschichtliche Anlage, in der im Sommer «moderne“ Wikinger wohnen.

© Frode Tufte

In Gudvangen wird schon seit vielen Jahren ein internationaler Wikingermarkt veranstaltet. Der Wikingermarkt ist ein fünftägiges Festival, das Besucher und Darsteller aus der ganzen Welt anzieht. Während des Festivals können die Besucher hautnah miterleben, wie die Wikinger um 800 lebten.

Wikingerhof Avaldsnes

3000 Jahre lang wurde der Schiffsverkehr durch den Karmsund von Avaldses aus kontrolliert. Die schmale, auch Nordvegen (Nordweg) genannte Meeresstraße gab dem Land Norwegen seinen Namen.

Der Wikingerhof Avaldsnes befindet sich heute auf der kleinen bewaldeten Insel Bukkøy unterhalb der Mittelalterkirche in Avaldsnes und nahe bei Skrattakjær, wo König Olav Tryggvason vor eintausend Jahren einer Gruppe des bösen Zaubers verdächtigter Männer ertränken ließ. Das Geschichtscenter Nordvegen liegt direkt daneben.

Der Wikingerhof wurde auf der Grundlage archäologischer Funde in der westnorwegischen Region Rogaland wiederaufgebaut. Die Besucher haben Zugang zum Langhaus, Rundhaus, dem sog. Grophuset, von dem man annahm, dass dort Handwerksarbeiten ausgeführt wurden, und dem Bootshaus Leidangernaustet. Die naturgetreue Umgebung vermittelt den Besuchern das Gefühl, ist die Wikingerzeit zurückversetzt zu sein, und hier erfährst du mehr darüber, wie die Wikinger von der Fischerei, dem Landbau, Handwerk, Handel, Kuns und Kultur lebten und wie sie ihre Feiertage begingen. Der Wikingerhof ist in der Sommersaison für Besucher geöffnet.

Das jährliche Wikingerfestival in Avaldsnes findet immer an einem Wochenende im Juni statt. Es ist vollgepackt mit Erlebnissen für Groß und Klein, und die zugereisten Wikinger aus Norwegen und dem restlichen Europa machenden Wikingerhof zu einem Guckloch zurück in die Wikingerzeit.

Der große Markt, auf dem Handwerkprodukte und Lebensmittel verkauft, Geschmacksproben gereicht und Musik gespielt wird, ist ein Erlebnis für die Sinne. Es gibt viele Aktivitäten, an denen die Besucher teilnehmen können, dazu gehören Pferdereiten, Rudern, eine Werkstatt mit Schmied und vieles mehr.

Das Theaterstück "Giskespelet"

Das Theaterstück "Giskespelet" handelt von der Schlacht von Stiklestad. In dieser legendären Schlacht fiel 1030 Olav der Heilige.

Die Handlung des Giskespelet ist an die Berichte des Skalden Snorre Sturlasons über Olav den Heiligen angelehnt. Die Zuschauer können miterleben, wie sich eine einflussreiche Familie aus Giske maßgeblich an der Schlacht beteiligt und letztendlich auseinanderbricht.

Giskespelet wurde erstmals 1995 im Rahmen eines Schulprojektes aufgeführt. Im Laufe der letzten 20 Jahre hat sich die Veranstaltung stetig weiterentwickelt, heute sind etwa 200 Akteure an einer einzigen Vorstellung beteiligt.

Das Theaterstück "Giskespelet" handelt von der Schlacht von Stiklestad. In dieser legendären Schlacht fiel 1030 Olav der Heilige.

Die Handlung des Giskespelet ist an die Berichte des Skalden Snorre Sturlasons über Olav den Heiligen angelehnt. Sie können miterleben, wie sich eine einflussreiche Familie aus Giske maßgeblich an der Schlacht beteiligt und letztendlich auseinanderbricht.

Das Giskespelet wurde erstmals 1995 im Rahmen eines Schulprojektes aufgeführt. Im Laufe der letzten 20 Jahre hat sich die Veranstaltung stetig weiterentwickelt, heute sind etwa 200 Akteure an einer einzigen Vorstellung beteiligt.