Der Kalender der Wikinger

Der Kalender der Wikinger wurde nach den Jahreszeiten entwickelt und spiegelte ihr Verhältnis zur Natur und zu den Arbeiten wider, die zu den verschiedensten Zeiten getan werden mussten. Sie teilten das Jahr in ein Sommer- und ein Winterhalbjahr ein. Das Jahr eines Mannes wurde nicht nach der Zahl der Jahre, sondern der Zahl der „Winter“ berechnet. Dieser Brauch hat sich bei der Altersangabe für Haustiere bis heute gehalten. Eine andere Zeiteinteilung bei den Wikingern waren die Mondphasen von Vollmond bis Vollmond. Auch in ihrem Kalender gab es zwölf Monate, doch die Zahl der Tage war sicher nicht genau. Besonders in den Sommermonaten mit hellen Nächten in den nördlichsten Gebieten kann der Mond schwer zu beobachten sein.

Der dritte Wintermonat wurde Mörsugur genannt. Er dauerte von Mitte Dezember bis Mitte Januar. Der Name bedeutet “Molke-Sauger”, d.h. der Monat, der Fett saugt. Kräftiges und fetthaltiges Essen war in diesen Wochen wichtig, und diese Gewohnheit finden wir in unseren Weihnachtstraditionen wieder.

The viking farm at Avaldsnes|© Daniel Schulze Ardey

Opferfest zu Ehren der Götter

Das norwegische Wort für Weihnachten „jul“ ist vom altnordischen jólablót oder Jòl abgeleitet. In der Wikingerzeit gab es während des Mörsugur draußen wenig zu tun, und vielleicht waren die Weihnachtsfeierlicheiten oder „Jul trinken” ein willkommener Anlass in einer Jahreszeit, in der es sonst wenig zu tun gab. Diese Feierlichkeiten fanden oftmals im Langhaus statt, das vielen Menschen Platz bot. Fast wie heute ging es damals beim «juleblotet», dem Weihnachtsfest zu – mit Freunde, Familie, gutem Essen und guten Getränken.

Für die Wikinger dauerte Weihnachten einen ganzen Monat lang, und «Jol trinken» war gleichbedeutend mit dem Feiern der Weihnacht. Der Gott Odin wurde auch Jòlnir genannt, und es war eine Pflicht, Jólnir Opfer zu bringen, indem man trank. „Blot” waren Opferfeste zu Ehren der nordischen Götter. Uneins sind sich die Historiker noch, ob die Weihnachtsfeierlichkeiten der Wikinger ein Fest zu Ehren der zurückgekehrten Sonne war oder ein Opferfest, um im neuen Jahr die Fruchtbarkeit für die Erde, die Menschen und Tiere zu gewährleisten.

Wie uns heute war es auch den Wikingern wichtig, sich zu großen Anlässen festlich zu kleiden. Gefundene Gegenstände deuten darauf hin, dass sich die Wikinger zu großen Festen wie dem Weihnachtsfest mit großen Schmuckstücken in kräftigen Farben schmückten.

© Daniel Schulze Ardey

Ein Fest mit viel gutem Essen und Trinken

Ein zentraler Teil der Weihnachtsfeier bei den Wikingern war, dass man zu Ehren der Götter anstoß und aß. Obwohl Bier das wichtigste Getränk beim Weihnachtsfest war, spielte auch Fleisch beim „Juleblòt“ eine große Rolle. Es wurden verschiedene Sorten Fleisch geopfert und serviert, und die am häufigsten verlangte Speise war Schweinefleisch, das unter Wikingern einen hohen Status hatte. Die Möglichkeit, dies jeden Tag essen zu können, war eines der Geschenke im Leben nach dem Tod.