Ein Fjord ist ein tief ins Landinnere reichender, schmaler, langgestreckter Meeresarm, der an drei Seiten von Festland umgeben ist. An der Mündung zum Meer befindet sich zumeist eine Untiefe, die als Fjordschwelle bezeichnet wird. In geologischer Hinsicht sind echte Fjorde von ähnlichen Meeresbuchten aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte zu unterscheiden.

Fjorde entstehen durch Talgletscher, die durch bereits bestehende Flusstäler abwärts fließen. Durch die Bewegung der Eisdecke werden zahlreiche größere und kleinere Gesteinsbrocken mitgerissen, die das anstehende Gestein erodieren und dadurch das Flusstal allmählich vertiefen und verbreitern, sodass das Flusstal seine typische U-Form erhält. Am Ende des Gletschers lagert sich Gesteinsmaterial ab, das mit der Zeit eine wallartige Aufschüttung (Endmoräne) bildet. Das Abschmelzen der Gletscher am Ende der Eiszeit führte zu einem Anstieg des Meeresspiegels, so dass das Meer in die tiefen Täler einströmen konnte. An der Fjordmündung bildete die Endmoräne eine unterseeische Schwelle, die in der Regel nur einen Bruchteil der Wassertiefe im Inneren des Fjords erreichte.

Aufgrund der seichten Fjordmündung weisen Fjorde im Vergleich zum offenen Meer zumeist einen geringeren Wellengang auf. Durch ihre Ausprägungen mit einer eingeschlossenen Wasserfläche sind die meisten Fjorde daher besonders gut als Anker- und Liegeplatz für Schiffe geeignet.

Das Wort Fjord ist eines der wenigen norwegischen Wörter, das in mehrere europäische Sprachen Eingang gefunden hat. Der Begriff Fjord stammt vom altnordischen fjorðr ab, das auf das urindogermanische *prtús zurückgeht. Dieses Wort dürfte von der Verbalwurzel *per- abgeleitet sein, die die Bedeutung «hinüberbringen, überbringen» hatte. Das Wort Fjord, das ursprünglich also «Furt» bedeutete, hat den gleichen Ursprung wie die deutschen Wörter «Furt» und «fahren» oder das englische «ferry».

Der längste Fjord der Welt ist der Scoresbysund in Grönland, der eine Gesamtlänge von 350 km aufweist. In der Region Vestlandet sind dagegen sowohl der zweitlängste als auch der drittlängste Fjord der Welt zu finden: Der Sognefjord (204 km) und der Hardangerfjord (179 km).

Die Geschichte Fjord Norwegens ist in vielerlei Hinsicht eng mit dem Wasser verbunden. Die bis zu drei Kilometer dicken Eismassen, die das Festland während den verschiedenen Eiszeiten bedeckten, schufen die Fjorde und gaben dadurch der Landschaft ihr charakteristisches Aussehen. Wer am Ufer des schmalsten Fjordes der Welt, dem Nærøyfjord, steht und zu den Berggipfeln hinaufblickt, kann die gewaltigen Naturkräfte erahnen, die hier am Werk gewesen sind. Wer in Fjordnorwegen unterwegs ist, reist im Kielwasser der Handelsschiffe und Fischerboote, die die Fjorde seit tausenden von Jahren befahren. Der Großteil der malerischen Landschaft ist unverändert geblieben, seit die Wikinger die Segel hissten und zu fernen Ufern aufbrachen.